Phnom Penh

Nach einer langen Party Nacht war es für viele tatsächlich am nächsten Tag auf der 7 stündigen Fahrt nicht unbedingt einfach. Tatsächlich habe ich in dieser Fahrt mein drittes Buch auf dieser Reise geschafft. Zurzeit lese ich sehr viel Agatha Christie und am liebsten die Detektiv Geschichten von Hercule Poirot . Auf den langen Fahrten machen wir natürlich auch immer mal wieder Pausen. Dieses mal auf einem unauffälligen Rasthof. Von außen sah es auf den ersten Blick nach nichts Besonderem aus, dann sind wir aber durch den Laden in das Restaurant auf die Rückseite gegangen. Das Restaurant ist auf einem größeren See angelegt und als man aus dem Laden herauskam, wurde man von der Schönheit der Natur erschlagen.

Der nächste Stopp wurde in „Spider-Town“ gemacht. Der Ort wird so genannt, weil er dafür bekannt ist, dass man dort gebratene Insekten kaufen kann. Sobald man aussteigt, kommen die Leute auf einen zu und wollen einem Vogelspinnen auf Arme, Schulter oder Kopf setzen. Das wollte natürlich keiner aus unserer Gruppe machen. Man könnte fast schon sagen, dass die Einheimischen uns mit den Vogelspinnen gejagt haben. Obwohl man weiß, dass die Giftzähne den Spinnen schon gezogen wurden (wenn die Zähne gezogen sind, sterben sie innerhalb des nächsten Tages, damit sie später verzehrt werden können, macht man sie „müde“, dadurch verlieren sie das Rest-Gift was sie noch im Körper tragen), will man nicht unbedingt eine Vogelspinne über sich krabbeln haben. Bei den gebratenen Insekten selber, war auch keiner mutig. Ich glaube, wenn einer den Schritt gemacht hätte, hätten andere vielleicht nachgezogen, aber irgendwie wollte keiner starten. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass ich zwar schon Heuschrecke probieren möchte (vermutlich das einfachste zum Einsteigen), es mir aber vom Magen im dem Moment nicht so gut ging so dass Minh (unser Travel-Guide) mir abgeraten hat. Sobald ich sie probiert habe, werde ich es euch wissen lassen!

Irgendwann endlich haben wir es in die Hauptstadt geschafft und haben dort direkt einen Spaziergang gemacht um die Stadt zu erkunden. Was uns hier direkt ins Auge gefallen ist, ist dass es viele eher zwielichtige Bars gab und viele sehr ungleiche Paare davor saßen. So etwas haben wir in den vorherigen Städten gar nicht bemerkt, während es hier wirklich ins Auge fiel.

Warum man Phnom Penh trotzdem besichtigen sollte? Nun man kann sich dort den Palast ansehen in dem der König wohnt. Aber man kann dort gut Touren starten um, die traurige Geschichte von Kambodscha kennenzulernen. Was mir vorher nicht bewusst gewesen ist, Kambodscha hatte in den Jahren 1975-1979 eine Diktatur, die das Volk sehr stark unterdrückt hat. Dieses ganze Drama ist gerade 40 Jahre erst her. Ziel der Diktatur war es ehemalige Land-Flächen zurück zu gewinnen und einen kommunistischen Staat zu erschaffen, der möglichst autark leben kann. Um das zu erreichen, griffen sie zu drastischen Mitteln, wie z.b. Zerstörung aller Kommunikationsmittel und ähnlichem. Desweiteren wurden Gefängnisse eingerichtet, in denen die Menschen systematisch nach Informationen gefoltert wurden.  

Zur Warnung vorab, das kommende ist nichts fürs seichte Gemüt, für wen das nichts ist, bitte den kommenden Absatz überspringen.

Zuerst besichtigten wir ein so genanntes Killing Field. So werden die Felder genannt wo die Gefangenen hingebracht wurden, nachdem sie alles (und noch mehr) gestanden hatten um sie dort zu töten. Im Grunde ist es ein verwunschenes Feld, das relativ wild bewuchert ist mit einzelnen Vertiefungen. Die Vertiefungen sind die unterschiedlichen Massengräber. Hier gab es natürlich -Unterteilungen, es gab welche für Männer, Frauen und Kinder und es wurde auch ein weiteres gefunden in dem alle Personen ohne Schädel waren. In dem größten Grab waren etwas über 400 Opfer gefunden worden. Die Felder sind gar nicht weit weg von Dörfern, damit aber nicht bekannt wurde was dort gemacht wurde, wurde immer laut, eine bestimmte Melodie gespielt um die Schreie zu übertönen. Das an sich selber zu hören ist schon nicht ohne. Was ich aber viel extremer dort fand, war, dass man die einzelnen Kleidungsstücke im Schlamm gesehen hat und unser Guide machte uns auch immer wieder auf das ein oder andere Knochenstück aufmerksam das da einfach in der Erde war über die man drüber spaziert ist. Er hat uns auch erzählt, dass fast wöchentlich noch neue Knochen entdeckt werden, sie aber nicht weiter nach den Knochen suchen, da sie ja doch nicht zu geordnet werden können. Man läuft also über die Knochen der Opfer. Bevor die Opfer aber in die Killing Fields kamen, waren sie in Gefängnissen. Eins davon haben wir besucht. Dieses befand sich mitten in der Hauptstadt und war früher mal eine Schule und wurde umfunktioniert. Viele Schulen wurden damals zu Gefängnissen umgebaut, aber was ich viel erschreckender finde ist, dass viele davon wieder in Schulen umgewandelt wurden! Zurück zur eigentlichen Geschichte: Je nach Stellung des Gefangenen war auch die Haft. Offiziere oder auch Politiker waren in Gebäude A und kamen in Einzelhaft, damit sie andere Häftlinge nicht zum Aufstand mobilisieren können. Diese Zellen waren vergleichsweise recht groß ca. 13 qm und es stand ein Metallbett im Raum und auf dem Fliesenboden waren tatsächlich noch Blut-Rückstände, die eingetrocknet sind (diese sehen dann eher bräunlich aus). Als das Gefängnis gestürmt wurde, befanden sich zurückgelassene Leichen in den einzelnen Betten. Diese wurden fotografiert und die Bilder hängen dann in der jeweiligen Zelle. In Gebäude B waren Bilder von den Soldaten und auch von Opfern, denn es musste damals immer Bericht erstattet werden was passiert. Einige Negative dieser Bilder sind damals tatsächlich im Gebäude vergessen worden, weshalb man sie nachentwickeln konnte. Was verrückt war, gerade bei den Soldaten, war dass sie vielleicht so 15-17 Jahre jung waren. Viele von den Soldaten von damals leben also heute noch sind in den 50er und untergetaucht. Die Opfer waren vom Alter dagegen gemischt. Am schlimmsten war, dass es auch viele Bilder von den Häftlingen gab, die durch ihre Folterungen gestorben sind. Gebäude Komplex C war auch nicht besser. Dieser ist in seinem vorherigen Zustand gelassen worden heißt: hier ist Stacheldraht nicht abgemacht worden, der angebracht wurde damit die Gefangen sich nicht aus dem dritten Stock stürzen konnten. Außerdem sind hier die kleineren Gefängniszellen noch erhalten. Für die Männer waren Zellen aus Backsteinen in den Klassenzimmern gebaut, so dass ein Raum der vorher vielleicht 25 qm hatte in ca 10 Zellen geteilt war. Viel schlimmer fand ich es jedoch noch eine Etage weiter hoch zu gehen. Dort hatte man dann nur noch dunkles Holz verwendet für die Zellen und in demselben Raum waren knapp doppelt so viele Zellen auf kleinerem Raum gebaut. Dies waren die Zellen für die Frauen. Um überhaupt in den Gang dort reinzukommen musste man durch eine Zelle gehen. Das ist das erste Mal, dass ich je in meinem Leben mich klaustrophobisch gefühlt habe, mir ist schwindelig geworden und ich habe mich regelrecht erdrückt gefühlt von der Enge. Man hat nahezu das Elend spüren können, weshalb ich es glaube nicht mal eine Minute dort ausgehalten habe und danach runter geflüchtet bin. In dem Moment als das Gefängnis damals gestürmt wurde, gab es noch 7 Gefangene die am Leben waren, wovon heute noch 2 am Leben sind. Zu einem davon sind wir dann hin und er erzählte uns etwas über diese Etappe seines Lebens, was unser Guide uns übersetzte. Der alte Herr (mittlerweile 82) verkauft dort sein Buch. Die Einnahmen von diesem Buch gehen an Spenden-Organisationen.

Vielleicht eben wegen dieser Grausigen Geschichte, war der anschließende Abend auch recht ruhig. Ich habe hierzu wenig Bilder gemacht, aber wenn ich ganz ehrlich bin, dass ist auch nicht wirklich etwas womit ich mich wohl fühle wenn ich es fotografiere. Die paar Bilder die ich habe hab ich hochgeladen damit ihr einen Eindruck davon bekommen könnt.

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